• Kautabak

    Kautabak (auch Priem) ist laut deutschem Tabaksteuergesetz vom 13. Dezember 1979 (BGBl. I, S. 2118) "Tabak in Rollen, Stangen, Streifen, Würfeln oder Platten, der so zubereitet ist, dass er sich nicht zum Rauchen, sondern zum Kauen eignet".
    Herstellung:
    Ausgangsmaterial der Kautabakherstellung sind sehr nikotinhaltige Rohtabake, vor allem Kentucky, Rot Front-Korso, Geudertheimer, Pereg oder Pergeu. Amerikanischer Kautabak besteht überwiegend aus Zigarrentabak von Pennsylvania und Wisconsin. Nach der Ernte werden die Blätter unterschiedlich lange gelagert und dann z. B. mehrere Wochen über Hartholzfeuer aufgehängt, wodurch der Tabak ein besonderes Aroma erhält, oder auch luftgetrocknet. Vor der weiteren Verarbeitung werden die getrockneten Blätter fermentiert. Manche Sorten werden anschließend bei einem Feuchtigkeitsgehalt von 8-12 % in luftdichte Holzfässer gepresst, wo sie zur Reifung nochmals einige Monate kühl und trocken lagern. Der Rohtabak ist dann bereit für die Verarbeitung zu Kautabak. Der Tabak wird anschließend in unterschiedlichen Geschmacksrichtungen soßiert. Die Soßen, in denen der Tabak getränkt wird, enthalten unter anderem Fruchtessenzen aus Apfelsinen, Zitronen, Pflaumen, Rosinen, Feigen sowie Honig, Traubenzucker, Kandissirup und Lakritze oder Mint-Menthol. Danach wird der Tabak - je nach Machart - lose, zu einem Riegel gepresst verpackt oder leicht getrocknet und mit einem Deckblatt zu einem langen Seil versponnen (Twist). Stücke dieses Seils können nun zu Schnecken, Hufeisen etc. aufgerollt oder in Stücke geschnitten werden.
    Geschichte:
    Historisch war Kautabak bei Seeleuten beliebt, da auf den hölzernen Segelschiffen aus Sicherheitsgründen (Brandgefahr) das Rauchen strikt verboten war. Christoph Columbus hatte bei seinen Entdeckungsreisen nicht nur die Tabakpflanze gefunden und nach Europa gebracht, sondern auch entdeckt, dass die Indianer Tabakkugeln kauten, die mit Muschelkalk versetzt waren. Daraus entwickelte sich dann der Kautabak.

    Heute ist Kautabak besonders beliebt bei Baseballspielern der Major League Baseball (MLB), da Baseball eine der wenigen Sportarten ist, bei der es möglich ist, während des Spiels Kautabak zu kauen. Besonders, weil der Großteil der Spieler die meiste Zeit des Spiels im "Dugout" auf ihren Einsatz warten. Dort wird Kautabak gerne genommen, um sich abzulenken, Nervosität abzubauen, aber auch, um dem Klischee zu entsprechen. Da Kautabak ein, wenn auch geringes, Gesundheitsrisiko birgt, hat ein Baseballprofi, auch wegen der Vorbildfunktion von Baseballprofis gegenüber Kindern, versucht, eine Alternative zum Kautabak zu schaffen. Das Ergebnis war "Big League Chew", geschredderte Kaugummis, die lose, ähnlich dem Kautabak, in einer Tüte verpackt werden. Allerdings konnte sich dies bis dato nicht durchsetzen. Im Gegensatz dazu wird Kautabak von den Baseballspielern durch das Kauen von Sonnenblumenkernen ersetzt.
    Gebrauch:
    Kautabak wird nicht ausschließlich gekaut. Er wird meist in die Backe gelegt. Wenn der Geschmack oder auch die Wirkung des Tabaks nachlässt, wird er leicht mit den Zähnen ausgedrückt. Der Tabaksaft nikotinarmer Kautabake wird von manchen Konsumenten geschluckt. Bei sehr starken Tabaken kann es beim Verschlucken zu starker Übelkeit, verbunden mit Erbrechen, kommen. Früher gab es deshalb spezielle Spucknäpfe, um den Tabaksaft auszuspucken. Heute führen die meisten Konsumenten ihre eigenen Behälter für den Tabaksaft mit sich. Der deutsche und dänische Kautabak sollte nicht mit den amerikanischen Sorten verwechselt werden, denn die ersten beiden Kautabakarten liegen als kleine Tabakpastillen im Mund und werden - sollte der Geschmack nachlassen - lediglich ein wenig angekaut.
    Quelle: Wikipedia (https://de.wikipedia.org/wiki/Kautabak)